Tee, T-Shirts, Trainer:
Für Auszubildende im Handel ist Ware das einzig Wahre.Ausbildungen im Groß- und Außenhandel:
Mehr als 15.000 Jugendliche, 6000 davon Mädchen, entscheiden sich Jahr für Jahr zur Ausbildung im Groß- und Außenhandel. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass daraus Berufstätige werden, die sich um Export- und Importgeschäfte kümmern und um den Verkauf ihrer Ware an Handel, Handwerk und Industrie. Aber seltsamerweise werden daraus auch gerne Fußballtrainer. Kein Witz: Friedhelm Funkel, Trainer von Hertha BSC, absolvierte seine Lehre zum Großhandelskaufmann in einem Elektrogeschäft und durchlief über Buchhaltung, Verkauf, Lager und Auslieferung sämtliche Abteilungen. Bundestrainer Joachim Löw ebenso. Aber vielleicht sollte man ihre Karrieren dennoch als untypisch erachten, denn eigentlich kommunizieren Groß- und Außenhandelskaufleute nicht mit Elfer-Teams in kurzen Hosen sondern mit Einzelhandelsfirmen, Gastgewerbe, regionalen Großhändlern und weiterverarbeitenden gewerblichen oder industriellen Betrieben. Aber der richtige Einkauf ist beim Groß- oder Außenhandelskaufmann mindestens genauso wichtig wie beim Aufstellen eines Teams: Es geht darum, die gewünschte Ware zu bekommen, in ausreichender Menge und zu wirtschaftlich kalkulierten Preisen. Liefertermine müssen eingehalten, Fristen gesetzt werden und der weltweite, stete Überblick des Markts nach den besten Lieferanten ist das A und O für eine rentable, innovative und funktionierende Mannschaft. Ähh, Gechäftsprozedur, wollten wir natürlich sagen.
Wer kann’s werden?
Für diese dreijährige duale Ausbildung ist keine bestimmte schulische Vorbildung vorgeschrieben. Die Betriebe stellen genauso viele Abiturienten wie Absolventen mit mittlerem Bildungsabschluss ein, über ein Viertel der Azubis kommen von der Berufsfachschule. Im dritten Ausbildungsjahr entscheidet sich der Azubi für eine Fachrichtung und spezialisiert sich dann entweder auf Außen- oder auf Großhandel.
Groß- und Außenhandelskaufleute? Das verdienen wir uns!
Im Monat kann das tarifliche Bruttogehalt zwischen 1.781 und 2.201 Euro betragen. Die Ausbildungsvergütung beläuft sich im 1. Lehrjahr auf circa 599 bis 644 Euro, im 2. Jahr auf 650 bis 710 Euro, im 3. Jahr auf 711 bis 777 Euro.
Weitere Ausbildungen:
Insgesamt gibt es im Bereich Groß- und Außenhandel über 40 Berufe zu erlernen. Die wichtigsten sind neben den Kaufleuten für Groß- und Außenhandel die Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung, die Versand und Lagerung organisieren; den Außenhandelsassistenten, der u.a. als Auslandsvertreter arbeitet und die Euro- oder Fremdsprachenkaufleute, die bei (sprach-)grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen als kaufmännische Mittler dienen.
Mehr Infos:
Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels e.V.
www.bga.de
Handelsgene - Karriere im Blut
Man kann natürlich nicht wirklich sagen, dass Erivan Haub klein angefangen hätte. Als er 1932 in die Wiesbadener Eignerfamilie der Einzelhandelsgruppe Tengelmann geboren wurde, hatten sich bereits die drei vorangehenden Generationen um Supermärkte gekümmert. Doch erst unter ihm expandierte der Konzern weltweit; er gründete die Ketten Kaiser’s, Plus, Obi und KiK. Nicht ohne Folgen: In den 1980er Jahren wurde Erivan Haub erstmals bei Forbes zu den reichsten Deutschen gezählt. Doch wie fängt man so eine Karriere an? Beim Tengelmann-Tycoon begann es angeblich mit 100 Dollar Startkapital im Amerika der 1950er. Dort ging er bei einer Teekompanie in Chicago in die Lehre, anschließend gleich noch einmal in Kalifornien. Er übernahm alle Aufgaben, die ihm zugetragen wurden – wenn nötig, eben auch als Lastwagenfahrer. Nach zwei Jahren kehrte er zurück nach Deutschland, studierte an der Hamburger Universität Volkswirtschaftslehre und war sich danach nicht zu schade für Traineeprogramme, bevor er endgültig in den Familienbetrieb einstieg. Inzwischen liegen Geschäftsführung und Mehrheit an Tengelmann bei der fünften Generation – Erivan Haub hat seine Söhne ans Ruder gelassen. Die müssen sein Werk jetzt erst mal toppen.
Karrierekicker – Duales Studium
Was sich Erivan Haub noch langwierig zusammenstückeln musste – Ausbildung plus Studium – kann heute über duale Studienprogramme schon als fertiges package zwischen einerseits Berufs- oder Fachhochschule und andererseits gewerblichem oder industriellem Betrieb innerhalb von drei Jahren absolviert werden. Abgeschlossen wird mit dem staatlich anerkannten Bachelor of Arts, manche neuen Studienmodelle bieten nicht mehr Blocks von mehreren Wochen an, die sich abwechselnd mal der Praxis, mal der Theorie widmen, sondern lassen den Wechsel zwischen beiden Phasen innerhalb einer Woche stattfinden. Das ist anstrengend, man muss sich schnell auf die jeweiligen Anforderungen einstellen können, aber durch den kurzfristigen Transfer des angelernten Wissens ins praktische Tun werden die Studenten noch schneller integriert und können früher verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Nach diesem Prinzip wird beispielsweise in Darmstadt und Heidelberg an der Internationalen Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe der Studiengang Betriebswirtschaftslehre angeboten – einer der möglichen Schwerpunkte ist Handel (www.iba-darmstadt.com). Und die Fachhochschule Ingolstadt kooperiert für den dualen siebensemestrigen Studiengang „Internationales Handelsmanagement“ nicht nur mit der Media-Saturn-Holding, sondern seit 2007 auch mit Aldi (www.fh-ingolstadt.de).
Das Discountunternehmen freut sich auf mehr Akademiker im Handel, denn die Branche, läßt die Geschäftsführung verlauten, werde von Studenten immer noch unterschätzt. Nun: Nicht, wenn sie gründlich den Artikel gelesen haben – dann gibt es nämlich bald – Haub hab Acht! – lauter kleine Tengelmänner und –frauen.
Mehr Infos:
www.akademie-handel.de
Was da alles drin steckt – Drogist
Da steckt doch das Wörtchen Droge drin! Ja, tut es. Das kommt daher, dass Drogerien Heil- und Giftkräuter verkaufen durften, als dieses Recht eigentlich noch Apotheken vorbehalten war. Damals bereiteten Drogisten selbst Zahncreme, Schuhputzwichse, Bleichwasser und Franzbranntwein zu. Gefährliches und Explosives gab es hier – als zu Beginn der Automobilzeit noch Tankstellen fehlten, verkaufte der Drogist in kleinen Fässern und Flaschen den Treibstoff. Heute werden Einzelhandelsdrogerien mit echter Beratung immer weniger, es ist die Zeit der großen Drogerie-Ketten. Dennoch wissen Drogisten immer noch über diverse Mittelchen Bescheid und beraten ihre Kunden über die Inhaltsstoffe von Kosmetika, Lebensmitteln, Körperpflege- und Waschmitteln sowie von Pflanzenschutzmitteln oder Insektengiften.
Heutzutage leiden viele Menschen an Unverträglichkeiten und Allergien. Auch darauf muss der Drogist vorbereitet sein. Wer kein Aloe Vera verträgt, der möchte bei Körperpflegeserien eben gesondert beraten werden. Und der Diabetiker freut sich, wenn die Drogistin ihm neue Naschereien zeigen kann, die auch er sich gönnen darf. Manche Drogerien bieten eigene Kosmetikbehandlungen an. Drogisten die dafür einen Teil der Produkte selbst herstellen, benötigen naturwissenschaftliche Kenntnisse.
Die braucht es auch für medizinische Beratungen: Da Selbstmedikation immer weiter voranschreitet, kaufen sich viele Grippeattackierte Naturheilmittel und nicht rezeptpflichtige Medikamente in der Drogerie. Und erwarten das richtige Rezept für ihr Wehwehchen, auch wenn es so exotisches Wissen streift wie Aroma- oder Vitalstofftherapie. Es geht also irgendwie noch immer um geheime Kräutermixturen – so viel hat sich gar nicht verändert.
Die Webseite des Verbands Deutscher Drogisten: www.drogistenverband.de
Wer kann’s werden?
Für die dreijährige duale Ausbildung ist keine bestimmte schulische Vorbildung vorgeschrieben. Überwiegend werden angehende Drogisten mit mittlerem Bildungsabschluss eingestellt, 20 Prozent verfügen über einen Hauptschulabschluss, 13 Prozent über Abitur und ein Zehntel kommt von der Berufsfachschule.
Drogist? Das verdien’ ich mir!
Das tarifliche Bruttomonatsgehalt kann 1.859 bis 2.174 Euro betragen. Die Ausbildungsvergütung kann sich im 1. Jahr auf 544 bis 604 Euro belaufen, im 2. Jahr auf 610 bis 676 Euro, im 3. Ausbildungsjahr auf 702 bis 777 Euro.
Täglich Geld ausgeben – Der Einkäufer
Es ist ein Beruf, zu dem es eigentlich keine Ausbildung gibt. Einkäufer wird, wer zuvor eine kaufmännische Ausbildung hinter sich gebracht hat. Oder ein Studium im kaufmännischen Bereich. Und sich außerdem gut mit den Waren auskennt, die er künftig beschaffen möchte. Wer also vorher schon als Bürokaufmann für einen Automobilkonzern gearbeitet hat, hat gute Chancen, sich als Experte für Autozulieferungen einen Namen zu machen. Mittelarmlehnen, Sitzpolster oder Gurtschlösser produziert ein Autobauer nicht selbst. Er holt sich das bei Zulieferern. Doch schon bei der Auswahl fängt es an: Wer arbeitet am Saubersten und verlangt dafür am wenigsten Geld? In welchen Produktionsländern sind die Prinzipien der Nachhaltigkeit geschützt – was sich dann wiederum im Marketing besonders gut macht? Der Autobauer braucht also einen Experten, schließlich geht es um Millionenbeträge, die bei richtigem Einkauf gespart werden können – oder eben in den Wind geschossen, wenn der Einkäufer schludert. Für das beste Ergebnis pflegt der Einkäufer enge Kontakte mit den Lieferanten – und schaut sich aber auch ständig nach neuen Zuliefermärkten um. Er vergleicht Qualität und Preise und entwickelt Optimierungsvorschläge. Derzeit mangele es an Einkäufern, lässt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik verlauten. Wer also die Kunst des richtigen Geldausgebens perfektionieren möchte, sollte sich den Beruf des Einkäufers vormerken.
Wer kann’s werden?
Einkäufer werden kann, wer zuvor beispielsweise schon als Industriekaufmann, als Buchhändler, Fachwirt in Wirtschaft oder Bürokaufmann gearbeitet hat. Wichtig ist, auch bisher schon in der Branche tätig gewesen zu sein, für die man anschließend als Einkäufer operieren will. Auch wenn es den Ausbildungsberuf „Einkäufer“ so nicht gibt, sind die Inhalte „Einkauf und Beschaffung“ Teil handelsspezifischer Ausbildungsgänge, beispielsweise beim Kaufmann im Einzelhandel oder im Groß- und Außenhandel.
Einkäufer? Das verdien’ ich mir!
Das tarifliche Bruttomonatsgehalt kann zwischen 2.733 und 3.365 Euro betragen. ep
Seite des Bundesverbands Materialwirtschaft,
Einkauf und Logistik e.V.: www.bme.de
Beim expert-Verlag ist 2008 ein Buch erschienen, das in Kurzetappen den Beruf des Einkäufers beschreibt – und wie man ihn ausüben sollte:
„Die 10 Schritte zum Einkaufserfolg“ von Mattias Grossmann.




