Heilende Hände
Gerade bei jungen Patienten unter 30 Jahren werden Naturheilkunde und Alternativmedizin immer beliebter. Überhaupt wird in Deutschland mehr ganzheitliche Behandlung gewünscht, nicht mehr nur das Bekämpfen von Symptomen. Ein solches Umdenken spiegelt sich auch in den Berufsbildern wider: Heilpraktiker haben an Renommee gewonnen, aber auch als Krankenpfleger zu arbeiten, bietet mehr Ansehen als vermutet. Abgesehen davon: Anderen Menschen helfen zu können, wenn‘s weh tut, ist wohl eine der befriedigendsten Aufgaben. Daher stellt „Berufswahl - Mein Weg in die Zukunft“ vier Berufe aus der Gesundheitsbranche vor.
Praktisch. Geheilt. – Der Heilpraktiker
Alternative Heilmethoden sind in: Ein Kranker, der was auf sich hält, hat schon chiropraktische Anwendungen gegen Kreuzschmerzen hinter sich, mit spitzen Akupunkturnadeln Migräne attackiert oder ließ sich die Neurodermitis von kleinen Kangai-Fischen abknabbern. In den letzten Jahren nahm die Anzahl der Heilpraktiker-Konsultationen um 20 Prozent zu. 2008 verzeichnete der Verband Deutscher Heilpraktiker (VDH) mehr als 22.000 Patientenbesuche. Sanfte, ganzheitliche Heilung stößt aber nicht nur bei Schmerzgeplagten auf Interesse – auch die Zahl der Auszubildenden wächst. Zwar absolvieren immer noch viele angehende Heilpraktiker die Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg – nachdem sie zuvor beispielsweise schon als Krankenschwester oder Masseur gearbeitet hatten – und sind daher bei Ausbildungsantritt um die 40 Jahre alt. Doch inzwischen wagen sich auch Schulabsolventen in diese Ausbildung – und nach rund drei Jahren in die Abschlussprüfung, die es in sich hat: Der schriftliche Teil beinhaltet 60 Multiple-Choice-Fragen. Die mündliche Prüfung zwei Monate danach besteht aus einem Fallgespräch mit Amtsärzten der Landesgesundheitsämter zu unterschiedlichen Krankheitsarten: Hätte der angehende Heilpraktiker aus dem Gespräch mit der Patientin erkannt, dass sie an Schlafmittelentzug litt? Kann er eine Epilepsie diagnostizieren? Weiß er, wo sein Fachgebiet aufhört – und er den Patienten zu einem Schulmediziner schicken muss? Nur zehn Prozent der Prüflinge bestehen beim ersten Versuch. Nicht nur, weil das Pensum an benötigtem Wissen zu Anatomie, Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Naturheilverfahren wirklich weitreichend ist, sondern auch, weil nicht alle Ausbilder in der gleichen Qualität lehren. Selbststudium oder Crashkurse – beides möglich – haben nicht nur zum anfänglich schlechten Ruf der heilmedizinischen Zunft geführt, sondern auch zu einer hohen Durchfallquote (man kann die Prüfungen allerdings wiederholen). Daher rät der VDH, sich nur an einem der von den Bundesheilpraktikerverbänden empfohlenen 20 Ausbildungsinstitute anzumelden.
Wer darf’s werden und was muss er mitbringen:
Laut deutschem Heilpraktikergesetz darf in die Ausbildung, wer zum Zeitpunkt der Prüfung mindestens 25 Jahre alt ist und einen Hauptschulabschluss sowie ein ärztliches Attest und ein untadeliges polizeiliches Führungszeugnis sein Eigen nennt. Der Ausbildungsablauf ist nicht gesetzlich geregelt und die Prüfungsvorbereitung als Ganztages- und Abendunterricht oder als Fernstudium möglich. Die Kosten liegen zwischen 4.000 und 12.000 Euro. Übrigens: Obwohl die Ausbildung teuer ist, nehmen es sich gute Institute zudem heraus, nicht alle Bewerber anzunehmen. Die Guten erkennt man daran, dass das Unterrichtspensum mindestens 2.500 Stunden beträgt, der Unterrichtsplan sämtliche prüfungsrelevanten Themen abhandelt und die Schulen Ausstiegsfristen anbieten, bevor der Ausbildungsvertrag bindend wird. Die Prüfung nimmt das jeweils zuständige Landesgesundheitsamt ab.
Noch mehr Infos:
Internetseite der Deutschen Heilpraktikerverbände DDH:
www.ddh-online.de
In Gesundheit und Krankheit – Pfleger
Die Ausbildung zum Krankenpfleger gibt es so nicht mehr. Heute nennt man es übergreifend Gesundheits- und Krankenpflege, um schon das Vorbeugen von Krankheiten in das Wirken eines Gesundheits- und Krankenpflegers mit einzubeziehen. Es gibt viel zu tun, soll sich doch bis zum Jahr 2050 die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland fast verdoppeln. Und schon bis dahin werden geschickte Hände für die grundpflegerischen Aufgaben gebraucht: An- und Auskleiden, Bewegung, Essen, Trinken und Waschen, Medikamenteneinnahme, Wundversorgung, Überprüfung von Blutdruck und Temperatur sowie das Einhalten und Dokumentieren von Pflegeplänen. Da ein kranker Mensch – gerade wenn er sehr plötzlich hilfsbedürftig geworden ist – mit der eigenen Situation oftmals mental nicht zurechtkommt, muss der Pfleger zwar sensibel bleiben, sich aber auch abgrenzen können. Daher werden Azubis während der Ausbildung auch in Psychologie unterrichtet. Für ihren unermüdlichen Dienst am Kranken sind die Gesundheits- und Krankenpfleger inzwischen sogar angesehener als die Ärzte selbst – das hat eine aktuelle Forsa-Umfrage ergeben.
Wer kann’s werden?
Mit mittlerem Bildungsabschluss wird man zu der bundesweit geregelten schulischen Ausbildung an Berufsfachschulen für Krankenpflege zugelassen. Allerdings können in bestimmten Fällen auch Schüler mit Hauptschulabschluss aufgenommen werden, beispielsweise wenn sie über eine abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung verfügen.
Gesundheits- und Krankenpfleger?
Das verdien’ ich mir!
Auszubildende in Pflegerberufen werden recht gut bezahlt, so verdient der Azubi im 1. Jahr 807 Euro, im 2. Ausbildungsjahr 867 Euro und im Dritten sogar 966 Euro. Einmal als Gesundheits- und Krankenpfleger angestellt, kann das Monatsbruttogehalt zwischen 2.310 Euro und 2.737 Euro betragen.
Weiterbildung:
Um das Image von Pflegeberufen aufzupolieren sind duale Studiengänge wie beispielsweise die Kombination von neun Semestern Pflegewissenschaften mit Bachelorabschluss plus einer Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger entstanden. So qualifiziert man sich fürs Pflegemanagement (www.akadmie-klinikum-muenchen.de).
Auch die Rhein-Ahr-Fachhochschule Koblenz bietet als neuen dualen Studiengang „Betriebswirtschaft Pflege“ an, gemeinsam mit dem Gemeinschaftskrankenhaus Bonn (www.rheinahrcampus.de).
In Hessen läuft indes ein Modellversuch in dreieinhalbjähriger Ausbildung den Kranken- und Altenpflegerberuf zusammen zu legen.
Noch mehr Infos:
www.pflegeausbildung.de, www.dbfk.de
Immer handlungsfähig – Der Ergotherapeut
Nach einem schweren Verkehrsunfall kommt man manchmal recht langsam wieder auf die Beine. Ein Schädelhirntrauma kann Spuren hinterlassen, die nichts so schnell wieder verwischt. Hier ist der Ergotherapeut gefragt: Er (oder besser, sie – zu 80% sind es Frauen) bringt Unfallopfern die einfachsten Dinge wieder bei: Wie man isst, wie man einen Mantel zuknöpft, wie man sich wäscht, wie man sich in einem langen Gang mit vielen Türen orientiert. Oder aber auch, wie man mit einer seit kurzem notwendigen Prothese richtig umgeht. Dabei kümmert sich ein Ergotherapeut in erster Linie gar nicht so sehr um einzelne Krankheitssymptome, sondern versucht gegen die eingeschränkte Handlungsfähigkeit seines Patienten anzugehen und ihn wieder in die größtmögliche Selbständigkeit zu führen.
Es heißt also, nicht nur Gehen und Greifen zu lernen, sondern vor allem eigenständiges Handeln. Einfach „tätig sein“ – auch handwerklich oder musisch – kann bei vielen Störungen helfen, da es motorische, kognitive, psychische und soziale Fähigkeiten trainiert. „Beschäftigungstherapie“ wurde es demzufolge in den 1950ern noch genannt, als die ersten ausbildenden Schulen in Deutschland eröffneten. Erst 1999 änderte sich die Berufsbezeichnung „Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten“ in Ergotherapeuten (das griechische érgon bedeutet „Werk“, „Arbeit“). Und die vollbringen ihr érgon in Reha-Kliniken, Krankenhäusern, Fachkliniken für Psychiatrie, Orthopädie, Chirurgie, Neurologie und Geriatrie oder einer eigenen Praxis.
Wer kann’s werden?
Mit mittlerem Bildungsabschluss wird man zu der bundesweit geregelten dreijährigen schulischen Ausbildung an Berufsfachschulen oder an privaten Bildungsträgern zugelassen. Allerdings können auch Schüler mit Hauptschulabschluss aufgenommen werden, wenn sie über eine abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung verfügen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Ergotherapie an Fachhochschulen zu studieren; für diesen Bachelorstudiengang braucht es die Fachhochschulreife.
Ergotherapeut? Das verdien’ ich mir!
Beschäftigte in medizinischen Hilfsberufen können ein Monatsbruttogehalt von 2.236 bis 2.474 Euro erhalten. Eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht, es können im Gegenteil Kosten wie Lehrgangsgebühren entstehen. Bachelor-Ergotherapeuten können monatlich zwischen 2.946 bis 3.815 Euro brutto verdienen.
Noch mehr Infos:
www.dve.info
Von Beruf Zahnfee – Zahnmedizinische Fachangestellte
Ob die Zahnfee kommt? Mit diesem Gedanken schlafen Buben und Mädchen ein, wenn sie – den ersten ausgefallenen Milchzahn unterm Kissen – auf den nächtlichen Austausch von Dentintrophäe gegen Geschenk hoffen. Bei aufmerksamen Eltern finden sie am nächsten Morgen wundersamerweise ein kleines Präsent. Ja, da ist die Zahnfee wohl tatsächlich da gewesen. Natürlich gehören derlei Zaubereien nicht wirklich zu den Aufgaben einer Zahnmedizinischen Fachangestellten. Dafür wäre sie auch schon zu sehr ausgelastet: Als erste Ansprechpartnerin für Patienten, Krankenkassen und Dentallabors, aber auch als Assistentin bei den zahnärztlichen Behandlungen. Die Zahnmedizinische Fachangestellte stellt Pinzette, Spiegel und Watteröllchen bereit, säubert Instrumente wie den Speichelabsauger, füllt Wasserbecher, bereitet Füllungen oder Abdruckmassen für Gebissabdrücke vor, dokumentiert Behandlung und Diagnostik in der elektronischen Karteikarte und rechnet mit Dentallabors, Krankenkassen und Privatpatienten ab. Manche der Arbeiten erledigt sie, bevor der Chef überhaupt ins Behandlungszimmer tritt: Das Entfernen von Zahnstein etwa oder auch die Zahnpolitur. Zudem erklärt sie dem Patienten alles zu Mundhygiene, Karies- und Paradontalprophylaxe und weiß auch über die nachhaltigsten Zahnpflegetechniken Bescheid. Ihr Wissen und Können sollte eine Zahnmedizinische Fachangestellte mit Sensibilität, zitterfreier Feinmotorik, Kommunikationsfähigkeit, Kontaktfreude und hoher Sozialkompetenz kombinieren. Und dann ist sie es: Eine echte Zahnfee.
Wer kann’s werden?
Für die bundesweit geregelte dreijährige Ausbildung ist keine bestimmte schulische Vorbildung vorgeschrieben. Das Gros an Azubis stellten 2006 mit 62 Prozent die Realschulen, 26 Prozent haben Hauptschulabschluss und 8 Prozent Abitur. Die Ausbildung wird bei den Freien Berufen angeboten, es ist aber auch eine schulische Ausbildung möglich.
Zahnmedizinische Fachangestellte? Das verdien’ ich mir!
Das tarifliche Monatsbruttogehalt kann zwischen 1.424 bis 1.897 Euro betragen. Als Auszubildende kann man im 1. Lehrjahr 496 Euro, im 2. Jahr 543 Euro und im letzten Ausbildungsjahr schließlich 597 Euro erhalten.
Noch mehr Infos:
www.freie-berufe.de
ep




