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Rockstar - Interview mit Stefan Dettl

Stefan Dettl Rockstar in Ausbildung

Welch ein Auftritt. Barfuß und in Lederhosen geben die fünf Musiker von LaBrassBanda ihren wilden Stilmix zum Besten: Ska, Funk, Polka, Punk, Mariachi, Dub und Balkan Beats vermischen sich zum „boarischen Techno“.

Zum Luftholen bleibt den Musikern dabei ähnlich wenig Zeit wie den wild hüpfenden Fans. Hochdeutsch mache ihn nervös, gibt der Frontmann Stefan Dettl gleich zu, seine Texte verstehe man streng genommen nur im heimatlichen Chiemgau. Dennoch musiziert Dettl mit seinen Kompagnons auch in Sibirien und Simbabwe vor tobendem Publikum. Den Erfolg hat sich der Trompeter auch redlich verdient: Seine Musikerausbildung ist mehr als vorbildlich und führte vom Münchner Richard-Strauss-Konservatorium nach Linz in die Anton Bruckner Privatuniversität fürs Konzert-Diplom in klassischer Musik. Anschließend setzte Dettl zwei weitere Studienjahre an der Jazz-Trompete und ein Barockmusik-Studium noch obendrauf. Heute beeindruckt sein virtuoses Spiel in New York genauso wie auf der Winklmoosalm. Seit diesem Jahr macht Stefan Dettl auch solo Karriere, seine erste Single „Rockstar“ schoss gleich in die Charts. Und obwohl er sich tiefstapelnd „Rockstar in Ausbildung“ nennt, hat der bayerische Shooting-Star seinen Solo-Plattenvertrag bei RCA unterschrieben, die auch schon Elvis oder David Bowie auf Vinyl pressten. „Fast vom Stuhl gefallen“ wäre er bei der guten Nachricht. Heimat ist hipp. Die Musik Dettls, so scheint es, ist Heimat für viele geworden. Und zwar längst auch schon jenseits des Weißwurstäquators.

Musiker - und gerade „Rockstar“ - zu sein gilt als Traumberuf. Wie viel Traum ist es - und wie viel Knochenarbeit?

Für mich ist es im Moment wie im Traum. Ich kann meine Lieder in meiner Sprache auf der ganzen Welt spielen und muss mich nicht verstellen. Natürlich waren die letzten Jahre sehr anstrengend und ohne freie Tage, aber das gehört eben auch dazu.

Wann und wie merkten sie, dass aus ihnen einmal ein guter Musiker werden könnte?

Mit 16 war ich mit einem Jugendorchester auf Europa-Tour. Wir hatten viele Konzerte und ich konnte verschiedenste Länder und Menschen kennenlernen. Ich war fasziniert und wollte diese Leidenschaft unbedingt zu meinem Beruf machen. Man erkennt sehr schnell, ob einem das Spielen eines Instrumentes leicht fällt und Spaß macht. Wenn die Zuhörer genau soviel Freude empfinden, ist man auf dem richtigen Weg!

Manchem Jugendlichen gilt das Landleben als Synonym für Langeweile. Sie haben von der bayerischen 1.000-Seelen-Gemeinde Truchtlaching aus eine internationale Musikerkarriere vorbereitet. Was kann das Dorf, was die Stadt nicht kann?

Ich finde die Kombination aus beiden perfekt! Manchmal brauche ich die Stadt mit all den verschiedenen Menschen und Eindrücken. Dann muss ich aber auch wieder raus aufs Land, die Ruhe genießen – und dass einem keiner reinredet, was gerade angesagt ist oder nicht. So kann man besser seinen eigenen Stil finden.

Sie haben sich selbst in einem Interview als „Rockstar in der Ausbildung“ bezeichnet. Wie sieht der Unterricht aus?

Es gibt nur ein Fach: „Konzerte spielen“! Das Meiste lernt man direkt auf der Bühne – und da braucht man einfach nur Mut. Es gibt da so einen Spruch: „Wer wenig macht, macht wenig Fehler. Wer viel macht, macht viele Fehler. Und wer keine Fehler macht, ist ein fauler Hund!“ Jeder erfolgreiche Künstler hat auch schon Sachen in den Sand gesetzt. Es kommt darauf an, ob man aufsteht und weitermacht oder aufgibt.

Ihr Lebenslauf unterscheidet sich doch sehr von all den Casting-Superstars aus dem Privatfernsehen. Wie wird man gut auf eine Musikerkarriere vorbereitet? Und von welchem Weg würden Sie abraten?

Ein klassisches Musikstudium ist sicherlich ein großer Vorteil. Man kann gegenüber der Musikindustrie viel besser auftreten und wird auch ernst genommen. Aber notwendig ist es nicht. Mit viel Talent, Willen und Ausdauer geht es auch ohne. Man sollte sich nie auf eine Musikrichtung einschießen und immer die Ohren offen halten.

Was raten sie Musikindustrie-Neulingen? Wie kann man dem treu bleiben, was man fühlt - und dennoch einen Plattenvertrag bekommen?

Mit LaBrassBanda sind wir bewusst auf einem sehr kleinen Indie Label, so können wir die Richtung unserer Entwicklung ganz gut mitbestimmen. Ich rate zu Partnern, die an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Da fließt meist nicht so viel Geld, aber man bekommt die Chance, sich einen Namen zu machen und den Beruf länger ausüben zu können.

Bei einem Festival haben sie mit LaBrassBanda auch schon neben Oasis gespielt. Was haben denn die Briten zu ihrer Musi gesagt?

Ich glaube, die haben uns nicht gehört.

Angenommen, LaBrassBanda hätte nach vier Jahren Spielzeit noch immer keinen Erfolg. Würden Sie weitermachen? Wann sollte man sich eingestehen, dass die eigene Musikerkarriere vielleicht doch nur eine schrullige Idee bleibt?

Wenn man das Publikum beobachtet, kann man sehr schnell ein Gefühl dafür bekommen, ob es funktioniert oder nicht. LaBrassBanda starteten wir als Vollzeitjob mit dem Ziel, davon leben zu können. Hätte das nicht nach einem Jahr funktioniert, wäre es sehr schwierig geworden – ich hätte es aber bestimmt weiter versucht!

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