Komische Karriere?
Komikerkarriere!Es ist Fluch und Segen zugleich, Erkan Maria Moosleitner zu sein. Oder besser, gewesen zu sein. Der 38jährige Schauspieler John Friedmann weiß das, er hat den in deutsch-türkischem Sprachmix kalauernden Proll in Trainingsklamotten erfunden.
Und obwohl er seit Jahren keine Comedy mehr macht, sondern derzeit in Fernsehserien wie Die Rosenheim Cops, Ein Fall für zwei oder im Kinofilm Lucky Fritz neben Hollywoodschauspieler Corey Feldman zu sehen ist, haben sich doch vorrangig seine Wortschöpfungen „brontal!“ und „bunny-checker“ in unseren Köpfen verankert. Auch “Berufswahl - Mein Weg in die Zukunft„ musste er erklären, wie man Comedian wird. Und warum er es trotz der großen Erkan und Stefan-Erfolge im Architektur-Studium unbedingt zum Diplom bringen wollte.
Waren Sie in der Schule der Klassenclown?
Ich saß zumindest immer in der letzten Bank und habe Sprüche geklopft; am Anfang war ich im Unterricht einfach unterfordert – später bin ich vor lauter Quatschmachen nicht mehr mitgekommen. Da hatte ich mir wohl selbst ins Knie geschossen.
Würden Sie wieder Architektur studieren? Oder sich lieber anders auf eine Karriere in den Medien vorbereiten?
Darauf kann man sich gar nicht vorbereiten. Aber ein BWL-Studium hätte mir geholfen, so spießig sich das anhört. Man hat im Leben so viel mit Finanzen zu tun – gerade als Künstler fällt es schwer da durchzublicken. Generell ist das Architekturstudium toll, weil man auch hier etwas fürs Leben lernt. Man sieht damit ganz anders auf die Welt, erkennt Proportionen und Maßstäblichkeiten und lernt wie Raum auf den Menschen wirkt.
Wollten Sie deswegen erst Ihr Studium beenden, obwohl die Produktionsfirmen Sie zum Comedian-Vertrag drängten?
Ich wusste ja nicht, wo diese Comedy-Reise hingehen würde. Das war am Anfang nur als Ausflug in die Fernseh- und Kinolandschaft geplant. Außerdem hatte ich in das Studium schon vier Jahre rein gesteckt. Das gibt man dann doch nicht so einfach auf.

Haben Sie früher in Hotels als Erkan Maria Moosleitner eingecheckt?
Das haben wir tatsächlich oft so gemacht – bis 2005 blieben unsere echten Namen ja geheim. Uns waren die Figuren wichtig. Und wir wollten nicht als überhebliche Akademiker gelten, die sich über Jungs in Trainingsanzügen lustig machen. Bei den Hotels ging das, da mussten wir unsere Ausweise nicht zeigen. Aber teilweise haben die Produktionsfirmen unsere Flüge auch auf das Pseudonym gebucht – da waren die Erklärungen dann schon langwieriger, wenn mein Name im Ausweis nicht mit dem Ticket übereinstimmte.
Wie kommt man auf das Wort ‚brontal’?
Ich rede manchmal zu schnell, dann überschlägt sich bei mir die Sprache und es entwickeln sich neue Wörter, weil ich schon im nächsten Satz bin. So ging mir das mit den Worten total, frontal und brutal. ‚Brontal’ ist also entstanden, weil ich wieder drei Sachen auf einmal sagen wollte.
Wie wird man Comedian, da gibt es ja keine Standard-Ausbildung?
Man fängt mit kleinen, selbst geschriebenen Nummern auf Mini-Bühnen an und beißt sich dann erst einmal ganz lange durch; bei Comedy-Clashs merkt man schnell, ob es gelingt, fünf Minuten am Stück witzig zu sein. Auf der Bühne zu überzeugen erfordert viel Übung. Man braucht Durchhaltevermögen, darf weder eitel noch arrogant sein und muss eine sehr gute Beobachtungsgabe haben. Man muss Dinge überhaupt erst sehen, um daraus gute Geschichten zu spinnen. Und die braucht ein Comedian, genau wie das richtige Timing und Bühnenpräsenz – und das bekommt man am besten auf der Bühne raus.
Ihre ersten Auftritte mit dem Komiker-Duo Erkan und Stefan waren unentgeltlich?
Ein Freund von mir hatte eine ziemlich abgefahrene Radiosendung. So etwas wie „Samstag Nacht“ zum Hören. Dem haben wir Sketche mit zwei Typen vorgeschlagen, die sich in einer Art U-Bahn-Slang unterhalten. Der wollte, dass wir das niederschreiben. Und dann hat er uns machen lassen. Knapp fünf Jahre gab es diese Kolumne – ohne Gage. Aber daraus hat sich eine eigene Dynamik entwickelt.
Wie verdient man am Anfang überhaupt Geld?
Als die Kolumne bekannter wurde, gab es eine CD. Dann gingen wir damit auf Tour – das macht sich dann über die Eintrittskarten bezahlt. ep




