Forschenden Blickes
Naturwissenschaftler sind gefragt. Wer Lust hat, zu tüfteln, zu forschen, zu entdecken, sollte also nicht zögern und sich an den Hochschulen und in der Berufsberatung über naturwissenschaftliche Berufe schlau machen.
Der Klimawandel, der Meteorologen, Biologen oder Chemiker umtreibt, das Humangenom-Projekt, das Medizinern und Genetikern neue Erkenntnisse über das menschliche Erbgut bringt, oder der MP3-Player, der ohne die Erkenntnisse der Physik nie entstanden wäre – all das zeigt nicht nur, wie präsent die Naturwissenschaften in unserem Alltag sind. Es könnte zudem der Anlass sein, einen naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen. Ganz davon abgesehen, dass diese Fächer spannend und zukunftsweisend sind. Bis 2014 fehlen bundesweit 220.000 Ingenieure, Techniker und eben Naturwissenschaftler. Wer sich für die Naturwissenschaften entscheidet, dürfte also gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben. Wie meistens führen auch hier verschiedene Wege zum Ziel. Ein naturwissenschaftlicher Werdegang beginnt entweder mit einem Hochschulstudium oder mit einer Ausbildung an einer Berufsfachschule beziehungsweise im dualen System. „Unabhängig vom konkreten Ausbildungsweg, wer diese Berufe in die engere Wahl nimmt, sollte Spaß daran haben, etwas Neues zu entdecken, immer weiter nach dem Warum zu fragen, er sollte aber auch in den spezifischen naturwissenschaftlichen Regel- und Analysesystemen, die mitunter sehr abstrakt sind, denken können; und er sollte eine hohe Arbeitsdisziplin sowie ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz und Geduld mitbringen, denn manchmal muss man sich ganz schön durchbeißen, Experimente auch ein zweites, drittes Mal wiederholen“, bringt Franz Muschol, Regierungsdirektor und Leiter der Zentralen Studienberatung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München auf den Punkt. „Darüber hinaus muss er über den Tellerrand schauen wollen. Das ist heute in den Naturwissenschaften wichtiger denn je. Großprojekte wie das Genomprojekt oder die Klimaforschung lassen sich nur interdisziplinär und international stemmen.“ Und noch ein Anliegen ist Muschol wichtig: „Schließlich wird auch in den Naturwissenschaften die Fähigkeit, komplexes Fachwissen didaktisch kompetent zu vermitteln, immer wichtiger.“
Zuerst zum Studium. Die reinen Naturwissenschaften gibt es nur an Universitäten, praxisnähere Studiengänge finden sich an den Fachhochschulen. „Zu den Klassikern wie Biologie, Chemie, Physik oder Medizin haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche weitere Studienfächer gesellt. Dazu gehören etwa Ökologie, Biotechnologie, Bioinformatik, Biomedizin, Molekularmedizin oder Nanotechnologie“, erläutert Andreas Neuner, Berater für akademische Berufe bei der Münchner Arbeitsagentur. Der Weg an die Hochschulen muss gut vorbereitet sein. „Man sollte sich in der Studienberatung der ausgewählten Universität oder Fachhochschule erklären lassen, wie das Studium genau funktioniert. Denn mit den Naturwissenschaften, wie man sie aus der Schule kennt, hat ein Studium nur noch wenig zu tun.“ Einen Eindruck von der Praxis vermitteln „Tage der offenen Tür“ oder Schnupperstudiengänge in den Ferien. Einfach herausfinden, ob eine Hochschule in der Nähe solche Angebote macht! „Zudem sollten die Schüler wissen, dass einige naturwissenschaftliche Fächer wegen der Zulassungsverfahren eine gute Abiturnote erfordern und manche Universitäten spezielle Eignungstests verlangen“, ergänzt Franz Muschol von der LMU. Die meisten Studiengänge sind bereits auf das Bachelor- und Master-System umgestellt. „In vielen Fächern empfiehlt es sich, von Vornherein den Master anzustreben“, so Muschol. „Er bietet nicht nur die Möglichkeit der theoretischen Vertiefung der Materie, auch die Unternehmen, Forschungsinstitute oder öffentlichen Verwaltungen, die Naturwissenschaftler einstellen, bevorzugen für anspruchsvollere Aufgaben diesen Abschluss. Für die Bachelors fehlen in der Wirtschaft oft noch passende Einsatzmöglichkeiten.“ Wer mag, sollte sich auch gleich noch den Doktortitel vornehmen. „Für eine spätere womöglich internationale Führungs- oder Forschungskarriere ist der in bestimmten naturwissenschaftlichen Fächern nach wie vor eigentlich ein Muss“, betont Andreas Neuner. Insgesamt gilt aus Arbeitsmarktsicht: „Naturwissenschaftler sind nicht auf eine Branche oder eine bestimmte Tätigkeit festgelegt. Praktische Berufserfahrungen, zusätzliche IT-, betriebswirtschaftliche und Fremdsprachenkenntnisse verbessern die Chancen.“
Sind Naturwissenschaften auch vor allem ein Studienthema, gibt es natürlich auch naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe im dualen System und an Berufsfachschulen. Andreas Neuner nennt beispielsweise den Chemielaboranten, den Werkstoffprüfer oder den pharmazeutisch-technischen Assistenten. „In der Praxis verlangen die Unternehmen und Berufsfachschulen einen Realschulabschluss oder das Abitur“, so Neuner. Ronald Hubrecht, Ausbildungsexperte an der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern nennt die Highlights der dualen Ausbildung: „Zum einen ist es durch die Wahlqualifikationseinheiten möglich, eigenen inhaltlichen Neigungen Rechnung zu tragen, sich etwa einen Schwerpunkt wie Umweltfragen oder globale Kompetenz auszusuchen.“ Zum anderen bilden die Betriebe in den naturwissenschaftlichen Berufen häufig auch unternehmensübergreifend aus. Man macht also in verschiedenen Firmen Erfahrungen. „Oftmals heißt das, zu Töchtern oder Kooperationspartnern ins Ausland geschickt zu werden.“ Hubrecht schmunzelt: „Es kann also nicht schaden, fleißig Englisch zu lernen.“ Wer sich einen praktischen Eindruck verschaffen will: „Tage der offenen Tür“, Betriebsführungen oder Praktika in den Unternehmen nutzen! Der IHK-Experte ergänzt: „Die Azubis in den Naturwissenschaften verdienen von Anfang ziemlich gut – der tarifliche Durchschnitt im ersten Lehrjahr liegt bereits bei rund 650 Euro.“
Bleibt ein Rat: Die meisten Naturwissenschaften gelten noch eher als Männersache. „Davon dürfen sich Mädchen natürlich nicht beeindrucken lassen. Stattdessen sollten sie bei den Unternehmen, in denen sie sich bewerben, nachfragen, ob es dort bereits selbstverständlich ist, dass Mädchen in naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten und ob es Einarbeitungsprogramme gibt“, rät Thomas Freiling, Wissenschaftler am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg, der sich mit Fragen der Ingenieurqualifizierung beschäftigt hat. „Einfach selbstbewusst sein. Schon allein der drohende Fachkräftemangel ist Signal genug: Mädchen werden gebraucht.“ gl
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Bundesagentur für Arbeit, http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/index.jsp
Bundesinstitut für Berufsbildung, www.bibb.de
Bundesagentur für Arbeit, www.planet-berufe.deHier gibt es Infos zum Studium und den Hochschulen.
Hochschulrektorenkonferenz, siehe unter Hochschulkompass
www.studienwahl.de, www.hrk.deHier können zukünftige Naturwissenschaftlerherausfinden, was wirklich zu ihnen passt.
www.rwth-aachen.de/go/id/yel, www.tastemint.de, www.probestudium.de




