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Berufe im Handwerk - Der Schuhmacher

Der Schuhmacher

Gurredigu, Herzblut im Schuh

Gerade Mädchen spricht der Beruf in jüngster Zeit verstärkt an. Schon aus Liebe zum Modedesign. Wenn Jungs sich um eine Lehrstelle bewerben, dann oft „als letzten Notnagel“, wie der Schlierseer Schuhmachermeister Stephan Steinberger moniert. Dabei braucht man für dieses Handwerk besonderen Biss, denn die Gesellenstellen sind rar. Gerade, wenn man nach einem Betrieb Ausschau hält, der edle Maßschuhe herstellt. Da hat die zwanzigjährige Allgäuerin Sonja Witzigmann Glück gehabt. Sie ist bei Steinberger gelandet und jetzt schon im 3. Lehrjahr. Was denn das Schwierigste an Ihrem Beruf sei, möchten wir wissen. „Wir machen viele rahmengenähte Schuhe, das ist schwierig als Frau. Man braucht ziemlich viel Kraft, die einem am Anfang noch fehlt. Gerade, um beim Nähen die Drähte durchzuziehen. Das lernt man aber mit der Zeit“, lacht sie. Und was ist das Schönste? „Eigentlich, dann am Schluss zu sehen, dass der Schuh fertig ist und passt.“

Da hat sich wohl jemand am Schuh-Virus angesteckt. Und damit ist Sonja Witzigmann auf einer Linie mit ihrem Chef. Denn auch wenn Stephan Steinberger seinen Beruf sehr schön findet, sagt er doch gleich dazu, dass man damit nicht reich werden kann. Obwohl man viel arbeitet. Gerade wer, wie er, selbständig ist: „Da reichen 50 Stunden die Woche nicht aus. Eher 70 bis 80.“ Es ist also ein Beruf für Leute mit Herzblut, wie der Schuhmachermeister ausführt:

Auf Dauer ist Schuhmacher ein reiner Männerberuf, der viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt. Stephan Steinberger liebt seinen Beruf obwohl es ein Knochenjob ist.

„Ich bin europaweit mit vielen Maßschuhmachern im Kontakt. Eine schwedische Kollegin hat einmal gesagt, dass wir ein schuhförmiges Herz haben. Das ist es: man muss schuhverrückt sein, um diese Kraft aufzubringen. Einen Maßschuh anzufertigen, ist wirklich ein Knochenjob. Darum ist es auch eher ein Männerberuf. Im Bereich von feinen Damenschuhen ist es für Mädels kein Problem, aber die rahmen- und zwiegenähten Schuhe aus dem klassischen Herrenbereich, da gibt es wenig Damen, die das wirklich über Jahrzehnte machen. Das geht auf den Schulter- und Nackenbereich sowie auf die Oberarme. Dann kommt die nicht ganz gesunde, gebückte Haltung dazu. Das ist nicht so einfach.“

Seit 1870 gibt es die maschinelle Schuhproduktion. Der industriell gefertigte Schuh wurde ein Konsumartikel für Jedermann und Maßschuhe etwas für einen kleinen, exklusiven Kreis. Außerdem: Wenn so ein Maßschuh Jahrzehnte hält, wie man immer sagt, dann braucht ja auch der Träger aus diesem kleinen Kreis im Leben nur zwei, drei Paar. Wie kommt Stephan Steinberger damit klar? „Die Auftragslage ist sehr gut. Es gibt in Bayern ja auch nur eine Handvoll Betriebe, die Maßschuhe fertigen und sich auch einen Gesellen leisten können. Unsere Klientel wird immer jünger. Heute Nachmittag war einer da, der sich jetzt mit Mitte Dreißig seine ersten Maßschuhe bestellt hat. Vor zehn Jahren waren unsere Kunden im Durchschnitt noch 50. Man spürt da ein Umdenken: Viele Leute sagen sich, dass sie für Mittelklasseschuhe mehr Geld ausgeben, als sie es wert sind. Und greifen dann lieber etwas tiefer in die Tasche, für ein Produkt, das ihnen hundertprozentig gefällt – und auch noch hundertprozentig passt. Dessen Material nicht schadstoffbelastet ist und Jahrzehnte hält. Da bleibt es in der Regel nicht bei einem Kauf. Viele meiner Kunden sind Wiederholungstäter, die wollen mindestens alle zwei Jahre ein neues Paar.

Und was sind Steinbergers Anforderungen an einen Lehrling?

„Bei mir ist ein qualifizierter Hauptschulabschluss Voraussetzung, handwerkliches Geschick, Liebe zum Material und zum Produkt. Man muss das Funkeln in den Augen sehen, wenn der Lehrling einen schönen Schuh in der Hand hält.“

Wo kommt man unter?

Handwerkliche Schuhmacherwerkstätten, Maßschuhwerkstätten, industrielle Betriebe der Schuhfabrikation und auch die Bühnenwerkstätten der Theater sind mögliche Arbeitsplätze.

Was sind die Aufgaben?

Während der dreijährigen Ausbildung, die im Betrieb und an einer Berufsschule stattfindet, wird einem natürlich das Anfertigen oder Reparieren von Schuhen beigebracht, mit allem, was dazu gehört: das Färben von Leder, wie man Fußumrisszeichnungen und Schaftmodelle realisiert sowie das Nähen an der Maschine oder mit der Hand.

Info-Links:
www.schuhmacherhandwerk.de (mit dem Ausbildungsprofil des Schuhmachers).
www.zdh.de (Netzadresse vom Zentralverband des Deutschen Handwerks mit wichtigen Meldungen. So erfährt man hier, dass Mitte August deutschlandweit immer noch mehr als 10.000 Stellen im Handwerk unbesetzt sind, dazu gibt es auch gleich eine Lehrstellenbörse des Handwerks).

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