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Vermittler zwischen den Kulturen - Übersetzer & Dolmetscher

Übersetzen und Dolmetschen

Schreiben ist Silber

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“, schrieb einst Goethe schon. Und immer noch gilt ein Übersetzer nicht nur als Experte für den Transfer von, sagen wir, Mandarin ins Deutsche. Er beweist sich auch mit jedem in die Fremde weiter gereichten Satz als Vermittler zwischen den Kulturen. Deswegen benötigt ein guter Übersetzer nicht nur ein überdurchschnittliches Gefühl für Sprache. Er muss sich auch für die verschiedenen Länder, Kulturen und Menschen begeistern. Für den Debütanten lautet die Devise dennoch: So nah und so direkt wie möglich übersetzen – ohne Interpretation. Erst wenn nach ein paar Jahren die Technik des Übersetzens ganz verinnerlicht ist, ergibt sich Spielraum für Deutung und stilistische oder regionale Anpassungen. Im Unterschied zum Dolmetscher, der gesprochene Rede (fast) simultan übersetzt, kann der Übersetzer an seinem Schreibtisch durchaus auch einmal eine ihm fehlende Vokabel nachschlagen. ‚Der Dolmetscher trägt sein Wörterbuch im Kopf, der Übersetzer unterm Arm’, sagt eine translatologische Weisheit. Ja, ja, Translatologie: so heißt die Wissenschaft vom Dolmetschen und Übersetzen.

Reden ist Gold

Dolmetscher dürfen während einer staatsmännischen Unterhaltung gar nicht auffallen. Der Redefluss muss direkt klingen, unverfälscht. Und gleichzeitig schnell, fast synchron den Ausführungen des Sprechenden folgen. Nicht auszudenken, würde man in Krisenzeiten einem Politiker falsche Worte in den Mund legen. „Das Schicksal der Welt hängt in erster Linie von den Staatsmännern ab, in zweiter Linie von den Dolmetschern“, hat es der erste Uno-Generalsekretär Trygve Lie einmal formuliert. Hierzulande gibt es derzeit rund 6000 Dolmetscher, drei Viertel davon sind Frauen, schätzt der Internationale Verband der Konferenzdolmetscher in Deutschland. Aber natürlich dürfen auch Jungs ran, vorausgesetzt, sie beweisen in der aufgepeitschten Atmosphäre einer Krisenkonferenz starke Nerven und beherrschen das Dolmetscherkunststück der Simultanität: Der Dolmetscher hört, spricht und kontrolliert sich selbst zur gleichen Zeit. Und das alles in diesem engen Kabuff von Dolmetscherkabine, in der es schnell an Sauerstoff mangelt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in einer Studie das Konferenzdolmetschen demzufolge auch als drittstressigsten Beruf klassifiziert – nach Düsenjet-Pilot und Fluglotse. Um nicht unnötig ins Schwitzen zu geraten, ist eine gute Vorbereitung vonnöten, gerade wenn bizarre Themen auf den Dolmetscher zukommen.

Wem beispielsweise zu Insekten außer Ekel nicht viel hochkommt, der muss vor dem Entomologen-Kongress in Warschau sein Glossar aufbessern. Denn wer weiß schon spontan, was „phylogenetische Systematik“ auf Polnisch heißt? Eben. Einmal als freischaffender Dolmetscher etabliert, verdient man dafür auch ganz gut: bei den etwa 80 Einsätzen im Jahr beträgt das Tageshonorar 700 bis 1000 Euro. Die meisten Dolmetscher und Übersetzer sind Freiberufler. Und im Zuge der EU-Erweiterung so gefragt wie schon lange nicht mehr – hat die Europäische Union ihren Mitgliedern doch das Recht zugesprochen, sich bei allen gemeinsamen offiziellen Angelegenheiten in ihrer jeweiligen Muttersprache zu verständigen.

Wie kann man’s werden:

Weder Dolmetscher noch Übersetzer ist als Berufsbezeichnung geschützt. Umso mehr achten Arbeitgeber auf die profunde akademische Bildung des Einzelnen: Beim Universitäts- oder Fachhochschulstudium lernt man neben der Übersetzungs- bzw. Dolmetschtheorie auch Atem- und Notationstechniken und übt Gedächtnistraining. Bis man sich dann nach dem Abschluss Diplom-Dolmetscher oder eben Diplom-Übersetzer nennen darf. Inzwischen wird das Diplom allerdings oftmals durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt.

In Bayern gibt es auch noch Fachakademien und Berufsfachschulen. Während der dreijährigen Ausbildung eignet man sich neben den fremdsprachlichen Kenntnissen Dolmetsch-Techniken sowie kulturwissenschaftliches Wissen an und spezialisiert sich auf ein Fachgebiet (Wirtschaft, Umwelt, Recht etc.). Bis zum Abschluss als „staatlich geprüfter Übersetzer und/oder Dolmetscher“.

Info:
www.bdue.de (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer)
www.aiic.de (Internationaler Verband der Konferenzdolmetscher)
www.xlatio.de (Seite des Instituts für angewandte Linguistik und Translatologie der Uni Leipzig)

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