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Künstlerische Kontrolle als Karriere-Kit - Beruf Regisseur

Achtung Klappe

Künstlerische Kontrolle als Karriere-Kit

Özgür Yildirim fand den Weg zu seinem Traumberuf

Im April dieses Jahres startete der Gangsterfilm „Chiko“ in den deutschen Kinos. Der deutsche Vorzeigeschauspieler Moritz Bleibtreu spielt in dieser Milieustudie aus dem Hamburger Kiez, die von Drogenkriminalität, türkischen Einwanderfamilien und echter Freundschaft erzählt.

Doch uns interessiert heute nicht, wer auf der Leinwand zu sehen ist, sondern wer all diese Arbeitsschritte ausführte, welche die Produktion eines Filmes eben mitbringt: Ein erfolgversprechendes Skript schreiben, das Budget dafür auftreiben, die Schauspieler während des Drehs zu Authentizität anhalten, Licht und Kameraführung nie außer Acht lassen und das Ganze schlussendlich zu einer schlüssigen Story mit Anfang und Ende zusammen schneiden. Wer tut das alles? Richtig, der Regisseur.

Im Falle von „Chiko“ ist das der 29jährige Deutschtürke Özgür Yildirim, der an der Hamburg Media School Regie studierte. Jüngst hat ihn der längst international bekannte Regisseur Fatih Akin als den „talentiertesten deutschen Jungregisseur“ bezeichnet. Akins Produktionsfirma war es dann auch, die Yildirims Debüt „Chiko“ produzierte. Im Interview mit „Berufswahl - Mein Weg in die Zukunft“ erläutert Özgür Yildirim, wie er den Weg zu seinem Traumberuf fand und Regisseur wurde.

Herr Yildirim, mit wieviel Jahren wussten Sie, dass Sie Regisseur werden wollten?

Ich habe mit 11 Jahren meine ersten Kurzgeschichten geschrieben und mit 14 mein erstes Buch veröffentlicht. Der Griff vom Stift zur Kamera geschah direkt im Anschluss und nach ein, zwei Kurzfilmen wusste ich, dass ich später Filme machen möchte.

Sie entstammen einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Sehen Sie das für eine Karriere in Deutschland als Vor- oder Nachteil?

Ich wüsste nicht, was daran vor- oder nachteilig ist. Ich bin schließlich hier geboren und habe mich nie wie ein Fremder gefühlt. Natürlich ist es immer gut, wenn man eine zusätzliche Sprache spricht und wie in meinem Fall sowohl türkisch als auch deutsch denken kann, kulturell gesehen, meine ich. Aber letztendlich sind wir alle Menschen mit denselben Emotionen und Bedürfnissen, das wird leider oft ignoriert.

Schon für Ihren ersten Kinofilm „Chiko“ konnte Moritz Bleibtreu gewonnen werden. Dabei wollten Sie eigentlich gar keine großen Namen?

Ja, das ist richtig. Ich wollte der Authentizität nichts in den Weg stellen, deswegen wollte ich ‚Nobodys’. Aber als wir uns dann für Moritz entschieden haben, fühlte ich mich wohl damit, weil ich wusste, dass Moritz‘ Interpretation des Charakters goldrichtig war.

Wie sollten junge Menschen vorgehen, die den Drang zur Regie in sich fühlen?

Özgür Yildirims erster Film im Kinoformat „Chiko“

Ich glaube nicht an eine bestimmte Regel oder an einen bestimmten Weg. Es gibt Millionen von Regisseuren in diesem Land und ich schätze jeder ist über irgendeinen Weg an sein Ziel gelangt. Wichtig ist, dass man sich immer mit dem wohlfühlt, was man gerade tut. Wenn das Gefühl der Verpflichtung in einem entsteht, dann stimmt etwas nicht.

Regisseur ist ein teurer Beruf. Gerade in den Anfängen. Wie und wo findet man Geldgeber?

Ich bin nicht der Erfahrenste. Ich hab ja gerade mal einen Film gemacht. Bei Kinofilmen braucht man auf jeden Fall eine Produktionsfirma, die dann Produktionsgelder bei den Filmförderungen beantragt. So beginnt dann der lange Prozess der ‚Geldeintreibung’, bis man sein Budget zusammen hat.

Was muss man Ihrer Meinung nach an Eigenschaften mitbringen, um als junger Regisseur erfolgreich zu werden?

Man sollte ehrlich zu sich selbst sein. Zu wissen, was man will, wohin man will, ist immer ein Vorteil. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Filmemachen ein Mannschaftssport ist: Man arbeitet im Team und jeder auf seiner Position hat eine Funktion. Als Regisseur ist man so etwas wie der Coach – und sollte sich die besten Stürmer oder Power Forwards suchen.

Info:
www.regieverband.de Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland e.V. (BVR) Brienner Strasse 52, 80333 München Tel: 089/34 01 91 09 www.regie.de, www.berufenet.de

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